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Tierärztin und Käuferin prüfen einen Pferdepass neben einem braunen Sportpferd in einem Stall.
20. Oktober 2026
6 min Lesezeit

Influenza-Impfung beim Pferd: Was sollten Schweizer Käufer prüfen?

Von der SportHorses.ch-Redaktion

Pferdekauf Pferdegesundheit Swiss Equestrian Influenza Grundimmunisierung
Nicht nur der letzte Stempel zählt: So bereiten Schweizer Pferdekäufer die Prüfung der Influenza-Impfgeschichte und des geplanten Turniereinsatzes vor.

Wer die Influenza-Impfung beim Pferd vor einem Kauf prüfen möchte, sollte nicht nur den letzten Stempel ansehen, sondern die dokumentierte Grundimmunisierung, die anschliessenden Impfintervalle und den geplanten Turniereinsatz zusammen beurteilen lassen. Bitten Sie die behandelnde Tierärztin oder den behandelnden Tierarzt deshalb frühzeitig um eine Prüfung der vollständigen Einträge. Dieser Leitfaden hilft, die richtigen Unterlagen und Fragen für dieses Gespräch vorzubereiten.

Warum reicht die letzte Influenza-Impfung allein nicht aus?

Weil eine einzelne Auffrischung noch keine korrekt dokumentierte Impfgeschichte belegt. Swiss Equestrian erklärt auf seiner nicht datierten Informationsseite zum Veterinärreglement, dass eine korrekte Immunisierung sowohl eine korrekt vorgenommene Grundimmunisierung als auch einen Booster innerhalb der genannten Frist von 365 Tagen voraussetzt. Für den konkreten Start sollten Sie die anwendbare Reglementsfassung beim Verband bestätigen lassen. Quelle: Swiss Equestrian

Die Grundimmunisierung ist die anfängliche Impfserie; spätere Auffrischungen werden auch Booster oder Rappel genannt. Die Tierarztpraxis vetcare unterscheidet in ihrer ebenfalls nicht datierten Übersicht ausdrücklich zwischen diesen Schritten und erläutert unterschiedliche Schemata je nach Beginn der Impfserie. Lesen Sie diese Übersicht als Orientierung für das tierärztliche Gespräch, nicht als individuelle Freigabe für Ihr Pferd. Quelle: vetcare

Für die Besichtigung bedeutet das: Lassen Sie sich nicht nur ein Foto der neuesten Passseite schicken. Bitten Sie auch um die Seiten mit den früheren Impfungen. Ein sauber vorbereitetes Dossier spart Rückfragen und erlaubt der Tierarztpraxis, die Abfolge zusammenhängend zu beurteilen.

Prüfen Sie die Impfgeschichte, nicht nur den letzten Stempel.

Welche Unterlagen sollten Sie vor der Besichtigung anfordern?

Fordern Sie die vollständigen Impfeinträge und eine klare Beschreibung des vorgesehenen Einsatzes an. Ob Sie zunächst ausschliesslich trainieren oder bereits ein Turnier ins Auge fassen, ist eine wichtige Information für die fachliche Prüfung. Legen Sie diese Entscheidung nicht erst nach dem Kauf fest.

Die folgende Tabelle ist eine redaktionelle Arbeitshilfe für das Verkaufsgespräch. Sie ersetzt weder die tierärztliche Beurteilung noch eine Reglementskontrolle.

Angabe im Verkaufsgespräch Sinnvolle Rückfrage Vorbereitung für die Prüfung
«Frisch geimpft» Welche früheren Einträge sind vorhanden? Vollständige Impfseiten anfordern
«Immer regelmässig geimpft» Kann die gesamte Abfolge gezeigt werden? Gut lesbare Kopien chronologisch ordnen
«Bereit fürs Turnier» Für welchen geplanten Einsatz wurde das geprüft? Zielveranstaltung und Unterlagen gemeinsam beurteilen lassen
«Der Tierarzt kennt das Pferd» Kann die betreuende Praxis offene Fragen klären? Mit dem Verkäufer eine Kontaktaufnahme vereinbaren

Gehen Sie anschliessend in einer festen Reihenfolge vor:

  • Prüfen Sie, ob die zugesandten Seiten vollständig und lesbar sind.
  • Stellen Sie fehlende Seiten oder unklare Einträge als offene Fragen zusammen.
  • Teilen Sie Ihrer Tierarztpraxis mit, welchen sportlichen Einsatz Sie planen.
  • Lassen Sie die Impfgeschichte vor einer verbindlichen Terminplanung beurteilen.
  • Halten Sie fest, wer vor und nach der Übergabe welche Rückfragen erledigt.

Verwechseln Sie dabei Dokumentenprüfung und Kaufentscheidung nicht. Die Impfgeschichte ist ein eigener Prüfpunkt neben Ausbildungsstand, Rittigkeit und tierärztlichem Befund. Was das Dokument grundsätzlich aussagt, erläutert unser Beitrag zum Pferdepass beim Kauf in der Schweiz.

Was sagt Swiss Equestrian zu fehlenden oder unkorrekten Impfungen?

Die Verbandsseite formuliert die Folgen ausdrücklich als Startverbot, nicht als blosse Empfehlung. Laut der nicht datierten Erläuterung dürfen Pferde oder Ponys mit einem nicht vorschriftsgemässen Impfschema nicht an offiziellen Veranstaltungen von Swiss Equestrian starten, bis eine korrekte Immunisierung belegt werden kann. Die korrekten Impfungen müssen im Pass eingetragen sein. Lassen Sie die für Ihren Fall geltenden Vorgaben beim Verband bestätigen. Quelle: Swiss Equestrian

Für eine nicht korrekt vorgenommene Grundimmunisierung beschreibt dieselbe Seite eine erneute vollständige Grundimmunisierung mit drei Injektionen. Während dieser Serie untersagt sie die Teilnahme an offiziellen oder freien Veranstaltungen von Swiss Equestrian, bis die ersten beiden Impfungen gemäss Schema erfolgt sind und die folgende Quarantäne von sieben Tagen abgelaufen ist. Als möglichen Wiederbeginn nennt sie den achten Tag nach der zweiten Impfung; die dritte Injektion muss zwingend zum vorgesehenen Zeitpunkt erfolgen. Auch diese undatierte Erläuterung sollten Sie vor der Anwendung mit dem Verband und Ihrer Tierarztpraxis abgleichen. Quelle: Swiss Equestrian

Für Käufer ist die Konsequenz vor allem organisatorisch: Versprechen Sie sich selbst keinen festen ersten Start, solange die Prüfung offen ist. Besprechen Sie stattdessen, ob ein geplanter Übergabetermin auch dann sinnvoll bleibt, wenn zusätzliche Abklärungen nötig werden. So trennen Sie die Qualität des Pferdes von einem möglicherweise unpassenden Zeitplan.

Müssen ältere Pferde automatisch neu grundimmunisiert werden?

Nein, aus dem Alter allein lässt sich diese Schlussfolgerung nicht ziehen. Die nicht datierte Seite von Swiss Equestrian beschreibt eine Ausnahme für Pferde, die vor dem 1.1.2013 geboren sind, deren Grundimmunisierung vor dem 1.3.2021 vollständig erfolgte und die seither ohne Überschreitung der vorgeschriebenen Intervalle Wiederholungsimpfungen erhielten. Für nationale Veranstaltungen nennt sie dafür weiterhin das alte Schema mit zwei Impfungen und jährlichen Wiederholungsimpfungen. Ob diese Ausnahme auf das konkrete Pferd anwendbar ist, sollten Sie bestätigen lassen. Quelle: Swiss Equestrian

Gerade bei einem älteren Sportpartner lohnt sich deshalb die vollständige Dokumentation. Markieren Sie nicht vorschnell einen vermeintlichen Fehler, sondern legen Sie der Tierarztpraxis Geburtsdatum und Impfseiten zusammen vor. Eine verkürzte Aussage wie «zweimal grundimmunisiert» ist ohne den zeitlichen Zusammenhang keine ausreichende Entscheidungsgrundlage.

Wie unterscheiden Sie belegte Angaben von Annahmen?

Belegt ist zunächst, was in den vorgelegten Unterlagen tatsächlich lesbar dokumentiert ist; die reglementarische Einordnung ist ein weiterer Schritt. «Letzte Impfung eingetragen» und «für meinen geplanten Start vorschriftsgemäss immunisiert» sind zwei unterschiedliche Aussagen. Behandeln Sie die zweite nicht als automatische Folge der ersten.

Auch Gesundheitsschutz und sportliche Voraussetzungen sollten getrennt besprochen werden. vetcare betont in seiner nicht datierten Impfübersicht die Bedeutung einer korrekten Grundimmunisierung und lückenloser Wiederholungsimpfungen gegen Influenza und Tetanus für Gesundheit und Wohlergehen. Weitere Impfungen beschreibt die Praxis als je nach Stall und Region empfehlenswert. Die individuelle Vorsorge gehört deshalb in ein tierärztliches Gespräch, nicht in eine pauschale Zusage im Inserat. Quelle: vetcare

Notieren Sie offene Punkte sachlich: Welche Seite fehlt? Welcher Eintrag ist unleserlich? Welche fachliche Einschätzung steht noch aus? Diese Fragen sind hilfreicher als der unbelegte Vorwurf, ein Pferd sei «falsch geimpft». Geben Sie Verkäufer und Praxis Gelegenheit, die Dokumentation zu vervollständigen.

Welche Fragen bleiben häufig offen?

Genügt ein Foto der letzten Impfung?

Für eine sinnvolle Vorprüfung sollten Sie die gesamte dokumentierte Impfgeschichte anfordern. Nur die neueste Seite zu betrachten, lässt die Frage nach der vorausgehenden Abfolge offen.

Ersetzt die Ankaufsuntersuchung die Besprechung der Impfunterlagen?

Beauftragen Sie die Prüfung der Impfeinträge ausdrücklich, statt sie stillschweigend vorauszusetzen. Klären Sie mit der untersuchenden Praxis, welche Unterlagen sie dafür vorab benötigt.

Darf das Pferd ohne mitgebrachten Pass starten?

Die nicht datierte Seite von Swiss Equestrian sagt ausdrücklich: Pferde, deren Pferdepass auf dem Platz nicht vorgewiesen werden kann, sind nicht startberechtigt. Bestätigen Sie vor der Teilnahme auch die übrigen anwendbaren Voraussetzungen beim Verband. Quelle: Swiss Equestrian

Was sollte vor der Übergabe geklärt sein?

Vereinbaren Sie, welche Originalunterlagen übergeben werden und wer noch ausstehende Abklärungen übernimmt. Für die übrigen organisatorischen Schritte können Sie die Vorbereitung der TVD-Übergabe danebenlegen.

Ein gutes Kaufdossier macht offene Fragen sichtbar, statt sie mit einem frischen Stempel zu überdecken. Nutzen Sie diese Prüflogik auch beim Vergleichen weiterer Pferde und vertiefen Sie einzelne Kaufaspekte in unseren Leitfäden für Schweizer Pferdekäufer.