Grosstierrettung in der Schweiz: Wie bereiten Sie den Notfall vor?
Von der SportHorses.ch-Redaktion
Eine Grosstierrettung bereiten Sie am besten vor, indem Sie Kontakte, Standortangaben und Zuständigkeiten klären, bevor ein Pferd in Not gerät. Für Schweizer Pferdehalter lohnt sich ein kurzer, gemeinsam mit dem Stallbetrieb besprochener Plan: Wer alarmiert Hilfe, wer betreut das Pferd, und wer weist die Einsatzkräfte ein? Die folgende Orientierung trennt veröffentlichte Hinweise der Rettungsorganisationen von Empfehlungen für Ihre persönliche Vorbereitung.
Was gehört in einen Schweizer Notfallplan fürs Pferd?
In den Plan gehören erreichbare Ansprechpartner, eine eindeutige Ortsbeschreibung und eine klare Aufgabenverteilung. Er soll keine medizinische Anleitung sein. Sein Zweck ist, unter Stress die richtigen Informationen und die zuständigen Fachpersonen zusammenzubringen.
Der Grosstier-Rettungsdienst CH/FL beschreibt auf seiner undatierten Website ein Angebot für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. Genannt werden unter anderem Notfalltransporte, Bergungen, Evakuationen und das Aufstellen festliegender Pferde; die Organisation beschreibt ihre Arbeit bei Bergung und Transport als Zusammenarbeit mit Tierärzten und Feuerwehren. Das hilft bei der Einordnung: Eine technische Rettung ist nicht dasselbe wie eine tierärztliche Untersuchung. Verfügbarkeit und Zuständigkeit für Ihren Standort sollten Sie bei der Organisation bestätigen lassen. Quelle: GTRD, Selbstdarstellung.
Für die eigene Vorbereitung empfehlen wir eine übersichtliche Karte, die im Stall zugänglich ist und zusätzlich auf dem Telefon gespeichert wird. Besprechen Sie deren Inhalt mit Stallleitung und Tierarzt. Eine gespeicherte Nummer allein beantwortet noch nicht, wer nachts das Tor öffnen oder den genauen Aufenthaltsort des Pferdes nennen kann.
| Baustein des eigenen Plans | Was Sie vorab klären sollten |
|---|---|
| Tierärztlicher Kontakt | Praxis, Notfallregelung und alternative Erreichbarkeit |
| Spezialisierte Rettung | Zuständigkeit und Kontakt für den Standort bestätigen |
| Ortsangaben | Stalladresse, Treffpunkt und Beschreibung der Zufahrt |
| Betreuung | Wer bleibt als sachkundige Ansprechperson vor Ort? |
| Information | Wer verständigt Eigentümer und Stallleitung? |
Verstehen Sie diese Tabelle als Gesprächsvorlage, nicht als behördliche Vorgabe. Gerade bei einem neu gekauften Pferd oder nach einem Stallwechsel lässt sich damit erkennen, welche Absprachen noch fehlen. Ergänzend hilft unser Beitrag zur Organisation der Pensionspferdehaltung, den Betrieb hinter dem einzelnen Einstellplatz genauer zu betrachten.
Welche Hinweise gibt der GTRD für den Ernstfall?
Der GTRD stellt in seinen undatierten Notfallhinweisen die eigene Sicherheit, den Überblick und ruhiges, überlegtes Handeln an den Anfang. Die Seite fragt unter anderem, ob das Tier gesichert ist, ob weitere Gefahren bestehen und ob eine ruhige, zuverlässige Fachperson es betreut. Diese Reihenfolge ist als Orientierung hilfreich; sie ersetzt keine Beurteilung der konkreten Lage durch Fachkräfte. Quelle: GTRD, «Notfall – was tun?».
Für das Alarmieren nennt die Seite den Tierarzt, den Grosstier-Rettungsdienst CH/FL und bei Bedarf weitere Rettungsorganisationen wie die Feuerwehr. Als GTRD-Notruf führt sie +41 79 700 70 70 (7x24h) auf. Prüfen Sie den Kontakt bei der Vorbereitung Ihres Plans nochmals direkt beim Anbieter, statt sich auf eine ältere Abschrift zu verlassen. Quelle: GTRD, Notfallhinweise.
Eine konkrete Gefahr beschreibt die Seite besonders deutlich: Ist die Frischluftzufuhr nicht gewährleistet, beispielsweise nach einem Sturz in eine Jauchegrube, soll sofort über die Notrufnummer 118 die Feuerwehr alarmiert werden. Das ist kein Anlass für einen eigenen Rettungsversuch. Der Hinweis gehört in die Hände derjenigen, die eine solche Lage professionell beurteilen und absichern können. Quelle: GTRD, Notfallhinweise.
Für Ihre Vorbereitung lässt sich daraus eine einfache Arbeitsliste ableiten:
- Besprechen Sie, wer Hilfe alarmiert und wer als Ansprechpartner vor Ort bleibt.
- Hinterlegen Sie die Ortsangaben so, dass auch eine Vertretung sie findet.
- Lassen Sie die Notfallregelung der Tierarztpraxis erklären.
- Prüfen Sie die gespeicherten Kontakte gemeinsam mit der Stallleitung.
- Überarbeiten Sie den Plan nach einem Wechsel von Stall oder Betreuung.
Der GTRD fordert auf seiner Notfallseite ausserdem dazu auf, erreichbar zu bleiben, das Telefon nicht mit unnötigen Gesprächen zu blockieren, das Handy nie auszuschalten und auf geladene Akkus zu achten. Für die persönliche Vorbereitung bedeutet das: Nicht nur den ersten Anruf, sondern auch mögliche Rückfragen mitdenken. Quelle: GTRD, Notfallhinweise.
Ein guter Notfallplan organisiert Hilfe – er macht den Pferdehalter nicht zum Retter.
Was zeigt der Rega-Einsatz im Simmental – und was nicht?
Der Einsatz zeigt das Zusammenspiel mehrerer Rettungspartner, aber keine allgemeine Zusage für eine Helikopterrettung. In ihrem Bericht vom 31.01.2022 beschreibt die Rega ein Pferd, das oberhalb von Därstetten (BE) im steilen Gelände abrutschte und im Morast einsank. Die Rega-Einsatzzentrale bezog den Grosstier-Rettungsdienst und zwei terrestrische Retter der Alpinen Rettung Schweiz ein; auch die Feuerwehr war im Einsatz. Quelle: Rega, «Spezieller Rega-Einsatz für Pferd in Not».
Laut diesem historischen Bericht war wegen der Geländesituation eine Rettung ohne Unterstützung aus der Luft nicht möglich. Das Pferd wurde mit dem Rega-Helikopter geborgen und anschliessend untersucht. Die Rega bezeichnet den Fall ausdrücklich als aussergewöhnlichen Einsatz. Daraus lässt sich weder eine heute geltende Verfahrensregel für jedes Pferd noch ein Anspruch auf ein bestimmtes Rettungsmittel ableiten. Quelle: Rega, Einsatzbericht vom 31.01.2022.
Belegt ist der beschriebene Einzelfall. Offen bleibt, wie ein künftiger Notfall gelöst würde. Für den eigenen Plan ist deshalb die Frage «Wie beschreibe ich Ort und Situation?» sinnvoller als die Vorentscheidung für ein bestimmtes Fahrzeug oder einen Helikopter. Die Wahl der Mittel gehört zu den zuständigen Fachkräften, nicht auf eine private Wunschliste.
Was sollten Käufer vor dem ersten Ausritt oder Stallwechsel klären?
Käufer sollten die Notfallorganisation ebenso konkret besprechen wie Fütterung und Training. Bitten Sie beim Rundgang darum, den vorgesehenen Treffpunkt für auswärtige Helfer zu zeigen. Fragen Sie nach der Vertretung der Stallleitung und danach, wo Eigentümerkontakte hinterlegt werden sollen. Das sind Empfehlungen zur Vorbereitung, keine zusätzliche formelle Kaufpflicht.
Für Ausritte empfehlen wir, Startpunkt und geplante Strecke mit einer verlässlichen Kontaktperson abzusprechen. Überlegen Sie dabei, wie Sie Ihren Standort verständlich beschreiben würden. Eine bekannte Hofadresse hilft wenig, wenn das Pferd an einem anderen Ort steht und niemand weiss, welchen Weg Sie genommen haben.
Auch ein geplanter Stallwechsel verdient eine eigene Abstimmung. Trennen Sie dabei den regulären Transport von einer möglichen Rettungssituation: Wer den Umzug organisiert, ist nicht automatisch die richtige Ansprechperson für eine Bergung. Unser Leitfaden zum Pferdetransport in der Schweiz ergänzt die Vorbereitung des normalen Wechsels.
Häufige Fragen zur Vorbereitung
Ersetzt der Grosstier-Rettungsdienst den Tierarzt?
Die undatierte GTRD-Selbstdarstellung beschreibt Bergung und Transport in Zusammenarbeit mit Tierärzten und Feuerwehren. Die Notfallseite nennt den Tierarzt ausdrücklich beim Alarmieren. Planen Sie deshalb nicht mit einem Entweder-oder. Quellen: GTRD und Notfallhinweise.
Ist eine Helikopterrettung für mein Pferd garantiert?
Der Rega-Bericht vom 31.01.2022 belegt einen aussergewöhnlichen Einzelfall, keine allgemeine Garantie. Leiten Sie daraus keine Zusicherung für Ihr Pferd ab. Quelle: Rega, Einsatzbericht.
Gehören Rettungskosten in den Plan?
Ja, als offene Frage zur persönlichen Vorsorge. Lassen Sie sich mögliche Deckung und Bedingungen vorab schriftlich erklären; dieser Beitrag trifft keine Aussage über eine Kostenübernahme in Ihrem Fall.
Wann sollte ich den Plan überprüfen?
Wir empfehlen eine Kontrolle nach jedem Stallwechsel und bei Änderungen der Betreuung. Nutzen Sie dafür einen ruhigen Termin, an dem Eigentümer, Stallleitung und Vertretung die Angaben gemeinsam durchgehen können.
Wenn Sie einen Pferdekauf vorbereiten, nehmen Sie die Notfallorganisation als festen Gesprächspunkt zur Stallbesichtigung mit. So wird aus einem guten Vorsatz eine konkrete Absprache für das Pferd, das künftig bei Ihnen lebt.