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Käufer besichtigt ein Sportpferd, das an der Hand auf einem Stallhof vorgeführt wird
10. Juni 2026
7 min Lesezeit

Sportpferd besichtigen: So beurteilen Sie ein Pferd beim Proberitt

Von der SportHorses.ch-Redaktion

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Ein Sportpferd zu besichtigen und Probe zu reiten ist der entscheidende Moment, um einen Fehlkauf zu vermeiden. Mit dieser praktischen Checkliste beurteilen Sie Rittigkeit, Charakter und Gesundheit noch vor der Ankaufsuntersuchung.

Sie haben online das perfekte Inserat gefunden, einen Termin vereinbart und stehen bald einem Sportpferd gegenüber, das durchaus jahrelang Ihr Partner werden kann. Doch ein Sportpferd besichtigen ist mehr als eine kurze Proberunde und ein zustimmendes Nicken. Die Besichtigung und der Proberitt sind genau der Moment, in dem Sie herausfinden, ob das Pferd wirklich zu Ihnen passt — noch bevor Sie einen Tierarzt oder Kaufvertrag ins Spiel bringen. Mit der richtigen Vorbereitung vermeiden Sie einen teuren Fehlkauf.

In diesem Artikel erfahren Sie genau, worauf Sie bei einer Besichtigung achten, wie Sie einen Proberitt angehen und welche Fragen Sie stellen. Egal, ob Sie ein Springpferd, Dressurpferd oder ein vielseitiges Allroundpferd suchen: Diese Checkliste hilft Ihnen, eine fundierte Entscheidung im umkämpften Frühjahrs- und Sommermarkt 2026 zu treffen.

Bereiten Sie Ihre Besichtigung gut vor

Eine gute Besichtigung beginnt zu Hause, nicht vor der Stalltür des Verkäufers. Je besser Sie vorbereitet sind, desto leichter erkennen Sie die richtigen Signale.

  • Legen Sie vorab Ihre Kriterien fest. Halten Sie schriftlich fest, was nicht verhandelbar ist: Disziplin, Niveau, Alter, Stockmaß, Budget und Charakter.
  • Erstellen Sie Ihre Fragenliste. Notieren Sie Ihre Fragen, damit Sie in der Aufregung des Moments nichts vergessen.
  • Bitten Sie vorab um Bildmaterial. Aktuelle Videos des Pferdes unter dem Sattel sowie in Schritt, Trab und Galopp vermitteln einen ersten Eindruck.
  • Nehmen Sie die richtigen Menschen mit. Ein erfahrener Reitlehrer oder befreundeter Reiter sieht oft, was Ihnen entgeht.
  • Planen Sie ausreichend Zeit ein. Eile ist der größte Feind einer guten Beurteilung. Rechnen Sie mit mindestens einer Stunde.

Eine goldene Regel: Besichtigen Sie niemals zwei Pferde unmittelbar hintereinander. Sie brauchen Ruhe, um jeden Eindruck setzen zu lassen.

Achten Sie auf den ersten Kontakt im Stall

Die Beurteilung beginnt in dem Moment, in dem das Pferd noch im Stall steht. Das sagt viel über Temperament und alltäglichen Umgang aus.

  • Wie reagiert das Pferd, wenn Sie die Box betreten — neugierig, ruhig oder angespannt?
  • Lässt es sich leicht halftern, putzen und satteln?
  • Wie verhält es sich beim Auskratzen der Hufe und beim Gurten?
  • Steht das Pferd entspannt oder zeigt es Stalluntugenden wie Weben oder Koppen?

Bitten Sie den Verkäufer, das Pferd selbst vorzuführen und zu satteln. So sehen Sie die natürliche Routine und entdecken, ob bestimmte Schritte sorgfältig vermieden werden.

Beurteilen Sie das Pferd an der Hand

Bevor jemand aufsteigt, möchten Sie das Pferd ohne Reiter in Bewegung sehen. Bitten Sie den Verkäufer, das Pferd auf einem harten, ebenen Untergrund vorzuführen.

  • Schritt und Trab an der Hand. Lassen Sie das Pferd gerade auf sich zu und von sich weg führen und traben, um die Beinführung zu beurteilen.
  • Achten Sie auf Gleichmäßigkeit. Bewegt sich das Pferd gleichmäßig und taktrein auf allen vier Beinen?
  • Betrachten Sie die Hufe. Ebenmäßige, gut gepflegte Hufe sagen etwas über die Versorgung aus.
  • Tasten Sie die Beine ab. Bitten Sie um Erlaubnis, Sehnen und Gelenke auf Wärme oder Schwellungen abzutasten.

Wichtig: Eine Besichtigung ist keine tierärztliche Untersuchung. Wenn Sie an der Gesundheit zweifeln, lassen Sie stets eine unabhängige Ankaufsuntersuchung durch Ihren eigenen Tierarzt durchführen.

So gehen Sie den Proberitt an

Der Proberitt ist das Herzstück der Besichtigung. Steigen Sie niemals zuerst selbst in den Sattel: Lassen Sie zunächst den Verkäufer oder den festen Reiter das Pferd vorreiten.

Lassen Sie zuerst den Verkäufer reiten

Indem Sie zuerst den Verkäufer reiten lassen, sehen Sie, wie das Pferd laufen soll und ob unangenehme Momente vermieden werden. Achten Sie auf:

  • Steigt das Pferd ruhig an und ist es schnell entspannt?
  • Reagiert es geschmeidig auf die Hilfen in Schritt, Trab und Galopp?
  • Sind die Übergänge fließend und bleibt das Pferd ruhig im Genick?

Reiten Sie danach selbst

Steigen Sie erst auf, wenn Sie sich sicher fühlen. Reiten Sie in einem ruhigen Tempo und testen Sie, was Ihnen wichtig ist.

  • Fühlt sich der Kontakt angenehm an und passt das Maul zu Ihrer Hand?
  • Reagiert das Pferd auf Ihre Hilfen, obwohl es Sie noch nicht kennt?
  • Testen Sie die Basis: an beiden Händen angaloppieren, ein paar Übergänge und eine Parade.
  • Für Springpferde: Springen Sie ein paar niedrige Hindernisse, um Einstellung und Technik zu spüren.
  • Für Dressurpferde: Erspüren Sie die Durchlässigkeit und die Qualität der drei Grundgangarten.

Reiten Sie das Pferd so, wie Sie es auch zu Hause reiten würden. Ein Pferd, das nur unter einem Profi fantastisch läuft, ist nicht automatisch das richtige Pferd für Sie.

Stellen Sie dem Verkäufer die richtigen Fragen

Ein ehrlicher Verkäufer beantwortet Ihre Fragen offen. Zögern oder ausweichende Antworten sind ein Signal, aufmerksam zu sein.

  • Warum wird das Pferd verkauft?
  • Wie lange steht das Pferd schon in diesem Stall und wie ist die bekannte Vorgeschichte?
  • Hatte das Pferd Verletzungen, Operationen oder wiederkehrende Beschwerden?
  • Welche Medikamente oder Behandlungen wurden kürzlich verabreicht?
  • Auf welchem Niveau ist das Pferd vorgestellt worden und gibt es Turnierergebnisse?
  • Wie ist das Pferd im Straßenverkehr, beim Hufschmied und beim Zahnarzt?

Bitten Sie um die Passdaten und prüfen Sie, ob der Chip und der Pferdepass zum Pferd gehören. Halten Sie getroffene Absprachen stets schriftlich in einem Kaufvertrag fest.

Erkennen Sie die wichtigsten Warnsignale

Nicht jede Abweichung ist ein Ausschlusskriterium, aber manche Signale verdienen zusätzliche Aufmerksamkeit, bevor Sie weitermachen.

  • Das Pferd ist bereits aufgewärmt oder geritten, bevor Sie eintreffen.
  • Der Verkäufer verweigert einen Proberitt, eine Ankaufsuntersuchung oder eine zweite Besichtigung.
  • Es gibt keinen gültigen Pferdepass oder der Chip stimmt nicht überein.
  • Das Pferd zeigt eine Unregelmäßigkeit in der Bewegung, die schnell abgetan wird.
  • Der Kaufpreis ist auffällig niedrig für das geschilderte Niveau.

Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Fühlt sich etwas nicht gut an, dann nehmen Sie sich in Ruhe Zeit oder gehen Sie weg. Es kommt immer ein nächstes Pferd. Schauen Sie sich gerne das aktuelle Angebot an Sportpferden zu verkaufen an, um zu vergleichen.

Nach der Besichtigung: Treffen Sie in Ruhe eine Entscheidung

Lassen Sie sich nicht mit „es gibt noch einen anderen Interessenten" unter Druck setzen. Ein seriöser Verkäufer gönnt Ihnen Bedenkzeit.

  1. Fassen Sie Ihre Eindrücke zusammen, solange sie frisch sind — notieren Sie Plus- und Minuspunkte.
  2. Besprechen Sie sich mit Ihrem Reitlehrer und sehen Sie sich die eventuellen Videos noch einmal an.
  3. Planen Sie bei Bedarf eine zweite Besichtigung zu einer anderen Tageszeit.
  4. Veranlassen Sie eine unabhängige Ankaufsuntersuchung, bevor Sie endgültig kaufen.
  5. Halten Sie den Kauf schriftlich fest mit klaren Absprachen über Untersuchung und Bezahlung.

Möchten Sie mehr über häufige Fehler im Kaufprozess erfahren? Lesen Sie dann auch unsere Top 10 der Fehler beim Pferdekauf.

Häufig gestellte Fragen zum Besichtigen eines Sportpferds

Wie lange dauert eine Besichtigung im Durchschnitt?

Rechnen Sie mit mindestens einer Stunde. Sie wollen Zeit für den Umgang im Stall, das Vorführen an der Hand, den Proberitt und Ihre Fragen an den Verkäufer. Lassen Sie sich nicht hetzen: Eine gute Beurteilung lässt sich nicht beschleunigen.

Darf ich das Pferd selbst Probe reiten?

Ja, ein Proberitt gehört zu einer seriösen Besichtigung. Lassen Sie den Verkäufer das Pferd zuerst vorreiten und steigen Sie danach selbst auf, wenn Sie sich sicher fühlen. Verweigert ein Verkäufer jeden Proberitt, ist das ein Warnsignal.

Ist eine Besichtigung dasselbe wie eine Ankaufsuntersuchung?

Nein. Eine Besichtigung ist Ihre eigene Beurteilung von Rittigkeit, Charakter und Ausstrahlung. Eine Ankaufsuntersuchung ist eine tierärztliche Untersuchung durch einen Tierarzt zur Gesundheit. Für einen verantwortungsvollen Kauf brauchen Sie beides.

Wie viele Pferde sollte ich besichtigen, bevor ich kaufe?

Dafür gibt es keine feste Zahl. Besichtigen Sie so viele Pferde, wie nötig sind, um Vertrauen in Ihre Wahl zu gewinnen, aber planen Sie sie nicht alle an einem Tag. Ruhe zwischen den Terminen hilft Ihnen, objektiv zu bleiben.

Was nehme ich zu einer Besichtigung mit?

Nehmen Sie Reitkleidung und einen eigenen Reithelm mit, Ihre Fragenliste, ein Telefon für Videoaufnahmen und idealerweise eine erfahrene Begleitung. So verpassen Sie nichts und können zu Hause alles in Ruhe durchgehen.

Bereit, Ihr Sportpferd zu finden?

Eine gute Besichtigung ist Ihre beste Versicherung gegen einen Fehlkauf. Bereiten Sie sich vor, nehmen Sie sich Zeit und vertrauen Sie auf Ihre Beobachtungen. Wenn Sie das sorgfältig tun, gehen Sie mit ruhigem Gewissen zur Ankaufsuntersuchung und zum Kaufvertrag.

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